Montag, 20. April 2015

Thoughts about Australia V

>Ich lebe seit vier Monaten in meinem Auto. Und vergesse manchmal immer noch, dass das Lenkrad rechts ist, nicht links.

>Es ist unglaublich, wie viel unsere Kunden an Geld für Nüsse ausgeben. Die greifen sich zwei oder drei Packungen und bezahlen dafür so viel wie ich für zwei ganze Wochen für Lebensmittel im Supermarkt. Vor ein paar Tagen hatte ich eine Kundin,  die mit dem Wert Ihres Einkaufs auch einen Tauchschein hätte machen können.

Winter is coming. Auch in Australien kann es verdammt kalt werden! Nachts liege ich unter drei Decken und in zwei Schlafsäcken in meinem Auto, trage alle dicken Klamotten die ich besitze und wache trotzdem noch ständig auf, weil ich friere. In unserer Fernseh-Ecke im Caravan Park kuscheln wir uns in all unseren Decken eng aneinander, um den abendlichen Game of Thrones  Marathon einigermaßen aushalten zu können.

>Je weiter man ins "Innere" des Kontinents fährt, desto undeutlicher wird die Aussprache der Australier. Aus einem "What's going on?" wird einfach "Wozzon?" und man muss erstmal kapieren, dass "Ta" die Kurzform von "Thank you" ist. Die ältere Generation im Outback ist am schlimmsten. Deren Aussi Slang, auch "Strine" genannt, ist für mich immer noch größtenteils eine Geheimsprache.

>Australische Trucks haben große Ähnlichkeit mit Optimus Prime!


Samstag, 11. April 2015

Um etwas Geld zu sparen schlafe ich jetzt abwechselnd mal eine Woche (illegal) im Wald und dann wieder auf dem Campingplatz. Viel spannendes passiert nicht wirklich..  Neben den Game of Thrones Büchern habe ich endlich mal wieder angefangen zu Zeichnen, außerdem lerne ich im Moment Kickboxen! Ein paar Engländer machen das back home professionell und bringen mir jetzt alle möglichen Kicks und Schläge bei, macht echt Spaß!
Letztes Wochenende war ich mit meinem Boss auf einem Business Ausflug in Bright, wo wir unseren Kram auf einem Markt verkauft haben. Vorher haben wir aber noch mit ein paar Freunden von ihm eine Mountainbike Tour durch die Berge gemacht. Dabei stand allerdings nicht wirklich der sportliche Aspekt im Vordergrund, sondern eher das Abklappern von sämtlichen Weingütern in der Gegend. Da ich Wein (außer den edlen Goon natürlich!) nicht zu schätzen weiß, war ich aber nur Zuschauer... Die Luxus-Käseplatten für 60$ die mein Boss alle halbe Stunde ausgegeben hat, hab ich mir aber nicht entgehen lassen :D

Sweat is weakness leaving the body!







Freitag, 27. März 2015

Singin' sweet home Shepparton all summer long

Fünf Wochen arbeite ich jetzt schon für den "Nutman", heißt, Nüsse abwiegen und Kunden beraten. Mittlerweile bin ich eine richtige Nussexpertin geworden... sicher super für den Lebenslauf.  Es häuft sich jedenfalls viel unnützes Wissen an. Wusstest ihr, dass Nüsse die einzigen unpulverisierten Lebensmittel sind, die mit zum Mond genommen wurden und in der Raumfahrt benutzt werden? Oh ja. Und wenn man den Regenwald retten will,  muss man ganz viele Brazil Nuts kaufen.
Nach acht Stunden in denen ich mich mit meinem Boss und den Kunden auf Englisch unterhalte, fahre ich "nach Hause" zu meinem Caravan Park und quatsche da nochmal ein paar Stunden mit den Engländern und Australiern (bin hier die einzige Deutsche), sodass ich seit Tagen kein deutsches Wort mehr gesprochen hab. Wird irgendwann anstrengend, aber es gibt kein besseres Training! Beim Smalltalk mit Kunden merken die meisten nicht einmal, dass meine Muttersprache nicht englisch ist.
Sonst gibts nicht viel neues. Arbeitsphase halt. Lese nebenbei viel Game of Thrones,  gucke Survive-Australia Serien à la Steve Irwin aufm Camp TV und genieße den Comfort einer richtigen Küche. Nach vielen Wochen in denen es nur Toast mit Peanutbutter gab,  ist ein Spiegelei oder ein Stück Fleisch das Paradies. Krass, wie toll es ist, einen Kühlschrank zu haben!



Die Harley von meinem Boss.  Damit fährt er mich ab und zu durch die Gegend,  läd mich zum BBQ ein.... Es lässt aushalten.


Montag, 16. März 2015



Meine Sammlung nimmt Gestalt an! Von allen schönen Orten an denen ich eine Zeit lang war, nehme ich etwas Sand mit. Sydneys Bondi Beach, Loch Ard Gorge, Flinders Ranges, Jervis Bay, der Wald in Shepparton, Carrickalinga Beach.  Wobei der Wald mir bisher am meisten bedeutet hat und am allerschönsten war.

Freitag, 13. März 2015

"But..... why?"
"To finally get rid of all that scum out there. Rubbish, snakes, bloody backpackers... "

Wir müssen raus. Unser geliebtes Zuhause, das Reservat auf der anderen Seite des Flusses, wird abgebrannt um es zu "bereinigen". Damit ist das Urteil gefällt, plötzlich sitzen um die 50 Backpacker auf der Straße und wissen nicht wohin. Schätze, ich muss jetzt wohl nen Campingplatz oder sowas bezahlen -.-
In loving memory:




Sonntag, 8. März 2015

Into the woods

Da Montag Labor Day, also Feiertag ist, haben wir uns entschieden, zumindest kurz dem Alltag Sheppartons zu entfliehen! Mit ein paar anderen sind wir Richtung Süden in den Kinglake Nationalpark gefahren, der eigentlich kaum bekannt ist und auch nicht besonders viel zu bieten hatte, aber trotzdem tat es mal gut, was zu unternehmen. Haben da auf einer Lichtung mitten im Regenwald gezeltet und hatten abends ein fettes BBQ, am nächsten Tag einen abenteuerlichen Bushwalk mitten durchs Unterholz (gab keinen Wanderweg).  Irgendwann ist man nicht mehr weiter gekommen, sind dann einfach durch einen Fluss gestakst, bis auch der einfach zu zugewachsen war. Spektakuläre Aussichten und Attraktionen, von denen wir bisher in Australien ja mehr als verwöhnt sind,  gab es nicht wirklich, aber der Regenwald mit seinen unglaublich hohen und alten Eukalyptusbäumen und Farnen war echt schön. Diese Vegetationszone Australiens hatte ich jedenfalls noch nicht gesehen. Hat sich also gelohnt!





Mittwoch, 25. Februar 2015

Mein Tipp:

See the world.
 It's more fantastic than any dream and book made or paid for in factories. Ask for no guarantees, ask for no security.
 It's the only way.


Welcome to the Hunger Games!

Man sollte meinen, über sechs Meter lange, blitzschnelle Weiße Haie mit messerscharfen Zähnen stünden an der Spitze der Nahrungskette... Nope.

Kurz nach meinem eigenen Tauchgang  mit den Great Whites wurde tatsächlich beobachtet, wie ein paar Orcas die Haigruppe angegriffen hat, die rund um die Neptune Islands Jagd auf Robben und Thunfisch macht. Oh Gott, was hätte ich dafür gegeben, da gerade unten im Käfig gewesen zu sein!  Die Taucher meinten sogar, man konnte die Klickgeräusche der Killerwale unter Wasser hören. Jedenfalls wurde ein Hai gerissen und die anderen sind geflohen und keiner weiß, wann sie wieder kommen. Vielleicht war ich eine der letzten, die sich in Port Lincoln diese beeindruckenden Tiere ansehen konnte.

Dienstag, 24. Februar 2015

Life as a gypsy

Seit zwei Wochen wohne ich jetzt schon im Wald; von uns liebevoll das "Mexiko von Shepparton" genannt. Habe einen großartigen Deal mit ein paar Engländern ausgehandelt: Deren Van hat den Geist aufgegeben, deshalb fahr ich die drei jetzt immer rum, dafür bekomme ich umsonst Essen und Bier und Goon. Perfekt. Außerdem gibt es hier jeden Abend ein kostenloses BBQ (son Charity-Ding) im Park, das wir natürlich schön ausnutzen. Also hab ich quasi keine Ausgaben und gleichzeitig einen ziemlich geilen Lifestyle! In der Woche arbeite ich in einem kleinen Laden und verkaufe australische Gewürze, Nüsse und getrocknete Früchte, was echt ein entspannter Job ist. Naja, alles ist besser als Fruitpicking. Verdiene jedenfalls sehr gut dabei, und am Wochenende gehe ich ab und zu noch kellnern. Nach Feierabend chillen wir im Wald, trinken was, fahren Skateboard im Park nebenan (14$ bei Kmart!!! Nie wieder zu Fuß kilometerweit zum Klo laufen! Beste Investition!) oder liegen einfach am See... Trotz Arbeit haben wir ne geile Zeit! Mit "wir" meine ich übrigens Nils und mich, hab ihn in Sydney kennengelernt und bereise mit ihm wohl demnächst die Ostküste. Die wird hammer!!



wie man mit zwei Steckdosen zwanzig
Backpacker gleichzeitig glücklich macht 





ein paar wenige Kakadus 


Donnerstag, 12. Februar 2015

Ain't no mountain high enough


 

Gotta miss old good times. 
Das Rumreisen fehlt mir total. 
Jaaa, Australien ist nicht nur Fun und Strand und Abenteuer und Roadtrip. Die Arbeit auf der Plantage ist verdammt hart, für einen Hungerlohn steht man von halb sieben bis fünf Uhr nachmittags auf der Leiter mit dem schweren Korb um den Hals, bei 35 Grad, mit schlecht gelaunten Aufsehern.  Vor ein paar Tagen bin ich von besagter Leiter gestürzt (keine Ahnung weshalb, kann mich an nichts erinnern) und mit Gehirnerschütterung und Wirbelfraktur im Krankenhaus gelandet. Keine Sorge, mir gehts jetzt wieder fast gut,  hab nur noch etwas Rückenschmerzen. 
Klar, ich schreib hier fast nur über die "guten" Dinge in Australien, aber ab und zu ist es verdammt hart.  Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten, ganz bestimmt! Immerhin hab ich heute entdeckt, dass man auf dem See direkt neben unserem Backpackerasyl for free Kayak und StandUp Board fahren kann! So lange und oft man will!!! Um mein übermäßiges Excitement zu erklären: In Australien ist NICHTS for free. Werde aber langsam echt gut darin, mich drumzu zu mogeln (wie zB bei meinem Strandausritt)  und was Groceries Shopping betrifft bin ich echt zu Experten geworden, Essen für wenig Geld zu finden. 
Noch ein oder zwei Monate, dann endlich Ostküste \o/ 






Sonntag, 8. Februar 2015

Die geheime Stadt der Backpacker

An einem mysteriösen Ort, für finanziell und sozial besser Gestellte nicht erreichbar, blüht und lebt eine geheime Stadt. Gut getarnt am Rande der Zivilisation, ohne Wasserzufuhr, Strom oder sonstigem Luxus leben hier die Backpacker,  die auf den Plantagen um Shepparton herum ihre Brötchen verdienen. Beziehungsweise ihr Weißbrot und ihren Goon. Und ich bin eine von ihnen.
Eigentlich ist es ein Reservat am anderen Ufer eines großen Flusses, nur über eine schmale Hängebrücke erreichbar. Wenn man diese Brücke betritt, sieht man erst nur wilde Waldlandschaft (deshalb für locals unauffällig und uninteressant), aber dann weht einem der aufgewirbelte Staub der 4WD's entgegen, sowie der Duft von frischem Brokkoli (fellows will understand).  Man geht ein paar Meter in den Wald rein und schon wird man von allen Seiten von Unbekannten begrüßt, auf ein Bier am Lagerfeuer eingeladen und kann die fantasievollsten Zeltkonstruktionen aus Ästen, Laub, Einkaufswägen und Alditüten bestaunen. Viele haben sogar Kinderplantschbecken mit Wasser aus dem Fluss, Baumhäuser und umgebaute Schulbusse vorzuweisen! Es ist eine unglaubliche Gemeinschaft, die den lächerlichen Witzbetrag vom Fruitpicken zelebriert (immerhin bekommen wir die Hälfte des gesetzlichen Mindestlohns!) und darauf trinkt, anstatt schlechte Laune zu schieben. Klar, bis früh morgens hört man den Lärm der Feiernden und ab und zu gerät mal ein Lagerfeuer außer Kontrolle, aber sonst ist es der tollste Ort überhaupt! Gestern Nacht hat die Feuerwehr versucht, mit ihren Trucks in das Camp zu kommen, weil die wohl den Rauch gesehen hatten, habens aber nicht geschafft. Die Hängebrücke ist natürlich nur für Fußgänger, und der Zufahrtsweg für Autos und Vans ist sehr geheim und abenteuerlich. Ungerne zwinge ich meinen geliebten Mitsubishi dadurch, aber was soll man machen.  Hier kann man kostenlos pennen, hat Gesellschaft und jede Menge Platz und Natur. Besser als jedes überteuertes Backpackerhostel.






Mittwoch, 4. Februar 2015

Moneeey.

Nach über einer Woche in Melbourne und genau 93 verteilte Lebensläufe später konnte ich immer noch keinen richtigen Job vorweisen. Eine Bar hat mir eine Zusage geschickt; hat sich dann leider als Strippschuppen herausgestellt. So verzweifelt war ich dann doch nicht.
Ein Farmer aus Shepparton hat mir gestern dann noch ziemlich spät abends einen Fruitpickingjob angeboten, und so hab ich mich dann quasi nachts Hals über Kopf 300 km allein ins Outback gewagt. Okay, ein bisschen verzweifelt war ich schon, wie man sieht. Vier Stunden
geschlafen, um halb fünf aufgestanden, los aufs Feld,  Nektarinen pflücken. Klar, war anstrengend, aber nicht so schlimm wie erwartet! Zwischen den Bäumen wars noch etwas schattig und man konnte sich die ganze Zeit mit Früchten vollstopfen.
Die Bezahlung ist sehr schlecht. Fühlt sich aber gut an, endlich wieder Geld zu verdienen anstatt es nur auszugeben, und bei 70 Stunden pro Woche kommt schon einiges zusammen.
Ein paar fragen sich vielleicht, wie ich das überhaupt mache mit dem Geld (werde öfters  danach gefragt). Folgendes: Nach dem Abi habe ich erst gekellnert, danach fünf Monate im Schichtdienst in einer Kabelfabrik gearbeitet. Tag und Nacht, oft auch am Wochenende. Außerdem spare ich seit über zwei Jahren hierfür (hab Nachhilfe gegeben, Autos gewaschen, Hunde ausgeführt) und hab alles an Geld zurückgelegt, das ich in die Hände bekommen konnte (Zb alles an Geburtstags- und Weihnachtsgeld anstatt Geschenke). Mein Ziel ist es, dieses Jahr komplett ohne einen einzigen Euro meiner Eltern und Verwandten durchzuziehen! Das ist sehr wichtig für mich. Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Noch steht es eigentlich ganz gut aus mit meinen Finanzen, aber da ich demnächst an der Ostküste das volle Programm haben will (Tauchen, Bungee Jumping, diverse Inseln, Fallschirm springen, Surfen), muss mehr her.
Hier werde ich jetzt erstmal für ungefähr zwei Monate bleiben, einfach die Zähne zusammen beißen und mich auf die Ostküste freuen :D

PS. Hab mir aufm öffentlichen Klo vom Campingplatz die Haare gefärbt!  Nicht ganz so gut gelaufen wie sonst, aber besser als das ausgewaschene Braun/Blond von vorher. Die Leute haben auf jeden Fall interessant reagiert. Backpackerregel Nummer eins: Es ist scheiß egal, was andere über dich denken.


Mittwoch, 28. Januar 2015

In love with places I've never been to and people I've never met

Let’s be honest, Melbourne ist die geilste Stadt überhaupt. Wurde jetzt zum vierten Mal in Folge zur lebenswertesten Stadt der Welt gekührt! Kann nicht mal wirklich beschreiben, wieso, aber das Lebensgefühl ist hier einfach anders. Hab mir ne gute Stadt zum arbeiten ausgesucht :D Der Federation Square ist (für mich zumindest) der Mittelpunkt von allem. Hier sitze ich fast jeden Tag mindestens ne Stunde, gucke Tennis auf der Leinwand, verzehre mein edles Lunch (Brot und Weintrauben) und führe Smalltalk mit Australiern. Was die Jobsuche angeht mache ich auch so langsam Fortschritte! Nicht einfach, sich als kleines Mädchen vom Dorf in einer Millionenmetropole zurecht zu finden und eine Art Leben aufzubauen. Aber langsam kapiere ich, dass alles irgendwie möglich ist :D