Dienstag, 24. Februar 2015

Life as a gypsy

Seit zwei Wochen wohne ich jetzt schon im Wald; von uns liebevoll das "Mexiko von Shepparton" genannt. Habe einen großartigen Deal mit ein paar Engländern ausgehandelt: Deren Van hat den Geist aufgegeben, deshalb fahr ich die drei jetzt immer rum, dafür bekomme ich umsonst Essen und Bier und Goon. Perfekt. Außerdem gibt es hier jeden Abend ein kostenloses BBQ (son Charity-Ding) im Park, das wir natürlich schön ausnutzen. Also hab ich quasi keine Ausgaben und gleichzeitig einen ziemlich geilen Lifestyle! In der Woche arbeite ich in einem kleinen Laden und verkaufe australische Gewürze, Nüsse und getrocknete Früchte, was echt ein entspannter Job ist. Naja, alles ist besser als Fruitpicking. Verdiene jedenfalls sehr gut dabei, und am Wochenende gehe ich ab und zu noch kellnern. Nach Feierabend chillen wir im Wald, trinken was, fahren Skateboard im Park nebenan (14$ bei Kmart!!! Nie wieder zu Fuß kilometerweit zum Klo laufen! Beste Investition!) oder liegen einfach am See... Trotz Arbeit haben wir ne geile Zeit! Mit "wir" meine ich übrigens Nils und mich, hab ihn in Sydney kennengelernt und bereise mit ihm wohl demnächst die Ostküste. Die wird hammer!!



wie man mit zwei Steckdosen zwanzig
Backpacker gleichzeitig glücklich macht 





ein paar wenige Kakadus 


Donnerstag, 12. Februar 2015

Ain't no mountain high enough


 

Gotta miss old good times. 
Das Rumreisen fehlt mir total. 
Jaaa, Australien ist nicht nur Fun und Strand und Abenteuer und Roadtrip. Die Arbeit auf der Plantage ist verdammt hart, für einen Hungerlohn steht man von halb sieben bis fünf Uhr nachmittags auf der Leiter mit dem schweren Korb um den Hals, bei 35 Grad, mit schlecht gelaunten Aufsehern.  Vor ein paar Tagen bin ich von besagter Leiter gestürzt (keine Ahnung weshalb, kann mich an nichts erinnern) und mit Gehirnerschütterung und Wirbelfraktur im Krankenhaus gelandet. Keine Sorge, mir gehts jetzt wieder fast gut,  hab nur noch etwas Rückenschmerzen. 
Klar, ich schreib hier fast nur über die "guten" Dinge in Australien, aber ab und zu ist es verdammt hart.  Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten, ganz bestimmt! Immerhin hab ich heute entdeckt, dass man auf dem See direkt neben unserem Backpackerasyl for free Kayak und StandUp Board fahren kann! So lange und oft man will!!! Um mein übermäßiges Excitement zu erklären: In Australien ist NICHTS for free. Werde aber langsam echt gut darin, mich drumzu zu mogeln (wie zB bei meinem Strandausritt)  und was Groceries Shopping betrifft bin ich echt zu Experten geworden, Essen für wenig Geld zu finden. 
Noch ein oder zwei Monate, dann endlich Ostküste \o/ 






Sonntag, 8. Februar 2015

Die geheime Stadt der Backpacker

An einem mysteriösen Ort, für finanziell und sozial besser Gestellte nicht erreichbar, blüht und lebt eine geheime Stadt. Gut getarnt am Rande der Zivilisation, ohne Wasserzufuhr, Strom oder sonstigem Luxus leben hier die Backpacker,  die auf den Plantagen um Shepparton herum ihre Brötchen verdienen. Beziehungsweise ihr Weißbrot und ihren Goon. Und ich bin eine von ihnen.
Eigentlich ist es ein Reservat am anderen Ufer eines großen Flusses, nur über eine schmale Hängebrücke erreichbar. Wenn man diese Brücke betritt, sieht man erst nur wilde Waldlandschaft (deshalb für locals unauffällig und uninteressant), aber dann weht einem der aufgewirbelte Staub der 4WD's entgegen, sowie der Duft von frischem Brokkoli (fellows will understand).  Man geht ein paar Meter in den Wald rein und schon wird man von allen Seiten von Unbekannten begrüßt, auf ein Bier am Lagerfeuer eingeladen und kann die fantasievollsten Zeltkonstruktionen aus Ästen, Laub, Einkaufswägen und Alditüten bestaunen. Viele haben sogar Kinderplantschbecken mit Wasser aus dem Fluss, Baumhäuser und umgebaute Schulbusse vorzuweisen! Es ist eine unglaubliche Gemeinschaft, die den lächerlichen Witzbetrag vom Fruitpicken zelebriert (immerhin bekommen wir die Hälfte des gesetzlichen Mindestlohns!) und darauf trinkt, anstatt schlechte Laune zu schieben. Klar, bis früh morgens hört man den Lärm der Feiernden und ab und zu gerät mal ein Lagerfeuer außer Kontrolle, aber sonst ist es der tollste Ort überhaupt! Gestern Nacht hat die Feuerwehr versucht, mit ihren Trucks in das Camp zu kommen, weil die wohl den Rauch gesehen hatten, habens aber nicht geschafft. Die Hängebrücke ist natürlich nur für Fußgänger, und der Zufahrtsweg für Autos und Vans ist sehr geheim und abenteuerlich. Ungerne zwinge ich meinen geliebten Mitsubishi dadurch, aber was soll man machen.  Hier kann man kostenlos pennen, hat Gesellschaft und jede Menge Platz und Natur. Besser als jedes überteuertes Backpackerhostel.






Mittwoch, 4. Februar 2015

Moneeey.

Nach über einer Woche in Melbourne und genau 93 verteilte Lebensläufe später konnte ich immer noch keinen richtigen Job vorweisen. Eine Bar hat mir eine Zusage geschickt; hat sich dann leider als Strippschuppen herausgestellt. So verzweifelt war ich dann doch nicht.
Ein Farmer aus Shepparton hat mir gestern dann noch ziemlich spät abends einen Fruitpickingjob angeboten, und so hab ich mich dann quasi nachts Hals über Kopf 300 km allein ins Outback gewagt. Okay, ein bisschen verzweifelt war ich schon, wie man sieht. Vier Stunden
geschlafen, um halb fünf aufgestanden, los aufs Feld,  Nektarinen pflücken. Klar, war anstrengend, aber nicht so schlimm wie erwartet! Zwischen den Bäumen wars noch etwas schattig und man konnte sich die ganze Zeit mit Früchten vollstopfen.
Die Bezahlung ist sehr schlecht. Fühlt sich aber gut an, endlich wieder Geld zu verdienen anstatt es nur auszugeben, und bei 70 Stunden pro Woche kommt schon einiges zusammen.
Ein paar fragen sich vielleicht, wie ich das überhaupt mache mit dem Geld (werde öfters  danach gefragt). Folgendes: Nach dem Abi habe ich erst gekellnert, danach fünf Monate im Schichtdienst in einer Kabelfabrik gearbeitet. Tag und Nacht, oft auch am Wochenende. Außerdem spare ich seit über zwei Jahren hierfür (hab Nachhilfe gegeben, Autos gewaschen, Hunde ausgeführt) und hab alles an Geld zurückgelegt, das ich in die Hände bekommen konnte (Zb alles an Geburtstags- und Weihnachtsgeld anstatt Geschenke). Mein Ziel ist es, dieses Jahr komplett ohne einen einzigen Euro meiner Eltern und Verwandten durchzuziehen! Das ist sehr wichtig für mich. Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Noch steht es eigentlich ganz gut aus mit meinen Finanzen, aber da ich demnächst an der Ostküste das volle Programm haben will (Tauchen, Bungee Jumping, diverse Inseln, Fallschirm springen, Surfen), muss mehr her.
Hier werde ich jetzt erstmal für ungefähr zwei Monate bleiben, einfach die Zähne zusammen beißen und mich auf die Ostküste freuen :D

PS. Hab mir aufm öffentlichen Klo vom Campingplatz die Haare gefärbt!  Nicht ganz so gut gelaufen wie sonst, aber besser als das ausgewaschene Braun/Blond von vorher. Die Leute haben auf jeden Fall interessant reagiert. Backpackerregel Nummer eins: Es ist scheiß egal, was andere über dich denken.


Mittwoch, 28. Januar 2015

In love with places I've never been to and people I've never met

Let’s be honest, Melbourne ist die geilste Stadt überhaupt. Wurde jetzt zum vierten Mal in Folge zur lebenswertesten Stadt der Welt gekührt! Kann nicht mal wirklich beschreiben, wieso, aber das Lebensgefühl ist hier einfach anders. Hab mir ne gute Stadt zum arbeiten ausgesucht :D Der Federation Square ist (für mich zumindest) der Mittelpunkt von allem. Hier sitze ich fast jeden Tag mindestens ne Stunde, gucke Tennis auf der Leinwand, verzehre mein edles Lunch (Brot und Weintrauben) und führe Smalltalk mit Australiern. Was die Jobsuche angeht mache ich auch so langsam Fortschritte! Nicht einfach, sich als kleines Mädchen vom Dorf in einer Millionenmetropole zurecht zu finden und eine Art Leben aufzubauen. Aber langsam kapiere ich, dass alles irgendwie möglich ist :D




Montag, 26. Januar 2015

Happy Australia Day everyone!

Heyoo Melbourne! Die erste Nacht auf einer Müllhalde war zwar nicht so lustig, aber jetzt ist doch alles wieder gut. Im Moment laufen hier die Australian Open. Die Jungs haben Tickets fürs Viertelfinale, aber für 40 Bucks kommt man aufs Gelände und darf sich fast alle Spiele ansehen. Tennis ist..... nicht so geil. Dachte ich. Im Endeffekt war es überraschend gut! Wieder ne neue Erfahrung. Trotzdem hätte es mein Opa mehr zu schätzen gewusst. Ich vermisse dich und wünschte, wir hätten uns das zusammen ansehen können! Du bist der Beste! Vielleicht hast du mich ja im Publikum im Fernsehen gesehen.

Da ich danach von der Müllhalde flüchten wollte, bin ich jedenfalls ziellos durch die Stadt gefahren und hab vergeblich nach einem Schlafplatz gesucht. WikiCamps hat mich auf einen kleinen günstigen Campingplatz geführt, der echt super ist! Mit Duschen!!!!
Drei Australier haben mich gleich auf ein BBQ eingeladen. Abend gerettet. Und da meine Luftmatratze vor zwei Tagen den Geist aufgegeben hat und ich seitdem einfach ohne eine schlafe, haben die mir eine geschenkt!  Einfach so! Ich liebe dieses Land.


Sonntag, 25. Januar 2015

Great Ocean Road!

Ich hab selber kaum noch aufm Schirm, was wir alles die letzten Tage gemacht haben. Viel zu viel und viel zu wenig. Besser gehts echt nicht! Kleine Zusammenfassung: Adelaide - Carrickalinga - Mount Gambier - Warrnambool - Loch Ard Gorge - Twelve Apostels - Johanna Beach - Otway National Park - Rainbow Falls - Apollo Bay - Lorne - Bells Beach - Geelong - Melbourne.




Nichts beschreibt das australische Wetter besser als diese Skala. Die Feuergefahr hört nicht einfach bei "extreme" auf, und die zweite Stufe ist schon "high".



















Mittwoch, 21. Januar 2015

Wir fahren ganz unschuldig durch den Coorong NP, am Arsch der Welt, freuen uns auf die Great Ocean Road, ahnen nichts böses, da fliegt den Jungs im Auto vor mir ein Reifen um die Ohren. Scheiße.  Beim Durchschnittsmenschen wäre nur der Reifen geplatzt, aber bei uns ist natürlich gleich die ganze vordere linke Seite weggeflogen (Zitat Tim). Deshalb konnten wir fürs erste nicht weiterfahren, ein Roadhouse in Salt Creek hat uns dann aufgenommen. Dank einem netten Jack Daniels und Lagerfeuer war die ganze Sache dann doch nicht mehr so schlimm.
Jetzt haben wirs nach Mount Gambier geschafft, nehmen heute die Strecke nach Warrnambool in Angriff, danach endlich die Great Ocean Road!







Sonntag, 18. Januar 2015

Thoughts about Australia IV

>Das Wetter ist absolutely fucked up. Hatten Hagel bei knapp 40 Grad Lufttemperatur.

>Nicht Internetentzug, ein gebrochenes Herz oder eine Abiturprüfung am nächsten Tag ist das schlimmste Gefühl der Welt. Sondern Hunger. Richtiger, beißender Hunger. Zwei rohe Kartoffeln, eine Zwiebel, ein paar ungekochte Nudeln, ein Gaskocher und vier leere Gasbehälter.

>Die schönsten Gefühle der Welt:  Morgens am Strand oder im Eukalyptuswald aufzuwachen, auf dem höchsten Gipfel zu sitzen, unbegrenztes sauberes Trinkwasser zu haben

>Laut den Australiern gibt es keine bestimmte Grenze, wo das Outback anfängt. Ich habe sie gefunden: Es fängt genau da an, wo der Benzinpreis plötzlich von 1,02$ auf 1,79$ ansteigt. Das tut schon weh.

>Ich hab gelernt, meine Haare in noch so winzigen Waschbecken zu waschen. Zum Beispiel aufm Klo von McDonalds.